Ein Häuschen im Grünen, mit Garten und freiem Ausblick in die Natur. Für Viele ist das der Traum vom eigenen Haus. Eine Vorstellung die heute für viele Bauherren realisierbar erscheint. Das frei stehende Einfamilienhaus verkörpert die Villa vergangener Epochen. Das Landhaus, welches sich nur vornehme Römer leisten konnten, zur Repräsentation errichtet und als „Wochenendhaus“ genutzt, entwickelte sich im neunzehnten Jahrhundert zur Industriellen - Villa am Stadtrand.
Traumhaus?
Vom Arbeitsplatz getrennt diente sie dem repräsentativen, gehobenen Wohnen. Parallel dazu entstehen die ersten Arbeitersiedlungen, häufig gehen sie auf das Engagement eines örtlichen Industriellen zurück. Auf bescheidener Grundfläche bieten diese „Arbeiterhäuschen“ individuelle Freiheit und vor allem soziale Sicherheit. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wird das Eigenheim zum ideologischen Bekenntnis sowohl der Sozialisten, als auch des Faschismus. In den fünfziger Jahren eröffnet die „Demokratisierung“ der Gesellschaft und des Wohlstands, vor allem aber ihre Motorisierung, den Traum vom eigenen Haus einer breiten Gesellschaft. Eine lange Entwicklung von den repräsentativen Gebäudeanlagen auf mehreren Hektar Land, hin zu den bescheidenen Einfamilienhäuschen der Fünfziger Jahre, mit ihren fünfzig bis hundert Quadratmetern Wohnfläche.
Dennoch, der Wunsch vom Häuschen im Grünen ist nahezu archetypisch in uns verwurzelt. Das frei stehende Einfamilienhaus ist nach wie vor der Traum einer breiten Allgemeinheit. Ein Traum, den immer mehr Bauherren auch realisieren können und dem die Gemeinden mit der Ausweisung immer weiterer Neubaugebiete Rechnung tragen. Doch der steigende Platzbedarf hat auch gravierende Folgen. Freie Flächen werden immer weniger, die Flächenversiegelung mit Ihren Auswirkungen auf die Grundwasserqualität und den Schäden durch Überschwemmungen, nimmt zu.
Neubaugebiet „Mutlanger Heide"
Die Zersiedelung der Landschaft verursacht Verkehrsprobleme, die Strecken zur den Zentren werden länger, der öffentliche Nahverkehr wird unattraktiver. Der Zweit- oder Drittwagen ist zum Erhalt der Mobilität erforderlich geworden. Pendler nehmen immer größere Wege in Kauf und selbst ein einfacher Einkauf ist ohne Auto nahezu unmöglich geworden. Die Märkte sind längst von den Stadtzentren „auf die grüne Wiese“ gezogen. Die Aufwendungen der Gemeinden zum Erhalt der Straßen steigen kontinuierlich. Die Ausgaben für Treibstoff wachsen und mit sinkenden Energiekosten ist nicht zu rechnen. Die Nachfrage nach Bauland ist dennoch ungebrochen.
Eine Entwicklung die zu steigenden Grundstückspreisen führt, als Folge davon nimmt die durchschnittliche Größe der Parzellen ab. Die Neubaugebiete zeugen davon dicht gedrängt stehen die Häuser, die teueren Grundstücke rund um das Gebäude in Abstandsflächen aufgeteilt. Die restliche Gartenfläche gestattet nur noch bescheidene Freiheit. Das Doppel-, oder Reihenhaus, Gebäudetypen die auf dem kostbaren Baugrund wirtschaftlicher errichtet werden könnten, sind wenig beliebt. Häufig werden diese Typen gar nicht von den Bebauungsplänen zugelassen. Mehrere Geschoße, um so bei kleiner Grundfläche, die gewünschte Wohnfläche zu erzielen sind oftmals unzulässig. Dennoch ist das frei stehende Einfamilienhaus ganz oben auf der Wunschliste der Menschen. Ein legitimer Wunsch, doch die Realität unterscheidet sich heute häufig von dem Traumbild Häuschen im Grünen.